„Drei Jahre für „Poldis“: Grüne Schlieremer Kantonsrätin stärkt Schulen

Livia Knüsel, Grüne-Kantonsrätin aus Schlieren, setzt sich dafür ein, die Anstellungsdauer von „Poldis“ (Lehrpersonen ohne Diplom) im Kanton Zürich auf drei Jahre zu verlängern. Ihr Ziel ist es, den Schulen und den Poldis mehr Stabilität zu bieten und den Rekrutierungsaufwand zu verringern. Livia fordert zudem eine berufsbegleitende Weiterbildung für Poldis, damit sie ihre Arbeit professionalisieren können. Falls sie sich zu einer regulären Ausbildung entscheiden, sollen die bereits absolvierten Weiterbildungen ans Studium angerechnet werden können.“

Artikel aus der Limmattalerzeitung

«Poldis» sollen bis drei Jahre angestellt sein
Der Zürcher Kantonsrat hat einen Vorstoss der Schlieremer Grünen Kantonsrätin Livia Knüsel vorläufig unterstützt.

Seit dem Schuljahr 2022/2023 sind sie im Kanton Zürich im Einsatz, die Personen ohne Lehrdiplom oder kurz: «Poldis». Zwischen 500 und 600 waren es seither jedes Jahr. Die Bildungsdirektion hatte wegen des Lehrpersonenmangels einen Passus im Lehrpersonalgesetz in Kraft gesetzt, der dies ermöglicht. Dieser muss jedes Jahr von Neuem aktiviert werden. Seit dem Schuljahr 2022/2023 geschah dies zwei weitere Male.

Der Passus legt weiter fest, dass die Gemeinden die «Poldis» für maximal ein Jahr anstellen können. Wollen sie danach weiterarbeiten, müssen sie an eine andere Schule in einer anderen Gemeinde wechseln. Das Thema «Poldi-Hopping» sorgte bereits Anfang Jahr im Zürcher Kantonsrat für Diskussionen. Dies führte dazu, dass die Schlieremer Grünen-Kantonsrätin Livia Knüsel Anfang Juli eine parlamentarische Initiative einreichte, welche vom Regierungsrat fordert, die Einjahresfrist auf maximal drei Jahre zu erhöhen.

Viel Aufwand für Schulen und „Poldis“

Der ständige Wechsel der «Poldis» sei eine Belastung für die Schulen, sagte Knüsel am Montag im Kantonsrat. Er gebe viel Rekrutierungs-, Einarbeitungs- und Begleitaufwand. Umgekehrt sei auch die Lehrperson ohne Diplom mit einer grossen Arbeitslast konfrontiert. Dass sie jedes Jahr an einer anderen Schule arbeiten und dort die Infrastruktur, das Team und die Kinder neu kennenlernen müsse, sei eine Zumutung. Es sei daher sinnvoll, wenn die Lehrpersonen einen ganzen Klassenzug, also längstens drei Jahre, bleiben dürften.

Die parlamentarische Initiative möchte den besagten Passus ferner um die Pflicht für «Poldis» erweitern, während ihrer Anstellung eine von Kanton und Gemeinden vergütete Weiterbildung zu absolvieren. Dies diene der Qualitätssicherung, so Knüsel, die als Primarlehrerin arbeitet. Die Weiterbildung solle einer etwaigen späteren Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule angerechnet werden dürfen.

„Ein Jahr ist definitiv zu kurz“

Der Vorstoss stiess im Kantonsrat sowohl links als auch rechts auf offene Ohren. Es sei wichtig, dass sie Zeit hätten, eine Ausbildung in Angriff zu nehmen, betonte Alexander Jäger von der FDP. Ein Jahr sei definitiv zu kurz, fand auch Hanspeter Hugentobler von der EVP. Dies führe zu «Schul-Hopping, das keiner will».

Auch die SVP hob den Ausbildungsaspekt hervor und meinte weiter, dass die Schulen dadurch administrativ entlastet würden. Dies mache den Einstieg in den Beruf attraktiver und erhöhe die Kontinuität in einer Klasse, sagte Ursula Junker von der SVP. Was ihrer Meinung nach jedoch in der Initiative fehle, sei eine pragmatischere Lösung hinsichtlich der Pflicht zur Weiterbildung bei älteren Personen. Sie seien aufgrund ihrer Lebens- und Berufserfahrung eine Bereicherung und sollten nicht noch ein mehrjähriges Studium absolvieren müssen.

Überraschend dezidiert gegen Knüsels Initiative war die SP. Carmen Marty Fässler bezeichnete sie als «Pflästerli-Politik». Nur aufgrund des Lehrermangels eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die den Missstand kurzfristig beheben solle, sei nicht richtig. Es müsse vielmehr dringend daran gearbeitet werden, dass es keinen Missstand mehr gebe, etwa indem die Arbeitsbedingungen für Lehrpersonen verbessert würden.

SP spricht von „Pflästerli-Politik“

Fässler kritisierte weiter, dass in Knüsels Initiative nicht konkret stehe, welche Art von Weiterbildung die «Poldis» absolvieren müssten. Warum sollten sie nicht gleich eine Ausbildung zur Lehrperson machen. Damit die Schülerinnen und Schüler von ihrer Schulzeit profitieren könnten, brauche es gut ausgebildete, qualifizierte Lehrpersonen.

Auf absehbare Zeit werde sich nichts an der Situation ändern, entgegnete Nadia Koch von der GLP. Alles andere sei Wunschdenken. Die Schulen seien auf die «Poldis» angewiesen. Die AL sprach sich wie die SP in erster Linie zwar auch für längerfristige Lösungen aus. Wegen des eklatanten Lehrpersonenmangels müsse man jedoch alle Möglichkeiten ausloten, um die Stellen besetzen zu können, sagte Judith Stofer.

Mit Ausnahme des Grossteils der SP unterstützten dann auch alle Fraktionen praktisch geschlossen Knüsels Initiative. Der Kantonsrat überwies sie mit 135 Stimmen, 60 waren nötig. Die zuständige Kommission wird sie nun weiterberaten und dem Regierungsrat zu einer Stellungnahme unterbreiten. Danach wird der Kantonsrat erneut darüber abstimmen.“